Fahrt in die Westlichen Oasen

Die Oasen der westlichen Wüste

Bericht von Willy Forster, Journalist, Ägypten-Fotograf, Inhaber von Sindbad-Reisen und Ägypten-Kenner


Endlich war es so weit! Spätabends trafen die sieben Reiseteilnehmer in Luxor ein. Nach dem die Koffer ausgepackt waren stand ein erster kurzer Marktbummel sowie der Besuch des bekannten, einheimischen Strassencafes, Om Kolthom auf dem Programm. Frühmorgendliches Vogelpfeiffen aus dem grossen Garten des Hotels Winter Palace lies den Reisenden erste Ferienstimmungen aufkommen. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurde der Luxor-Tempel besucht und der Nil mit einem kleinen Motorboot erkundet. Nun gab es bereits eine kleine Abweichung von den üblichen Ägypten-Programmen: der Besuch eines Bauernhofes ausserhalb von Luxor stand auf dem Programm. Besichtigt wurden Menschen, Tiere und Pflanzen. Für den Bauern galt es, zahlreiche interessante Fragen zu beantworten. Nach dem Kauen von Zuckerrohrstengeln wurde der Gruppe der traditionelle Schai, der Schwarztee, serviert.
Am Montag ging es in aller Frühe los. Bereits um sechs Uhr wurde der Nil überquert, um Zeit für die lange Fahrt bis zur Oase Dakla zu gewinnen.


Schliesslich mussten 600 km mit dem Kleinbus quer durch die heisse Wüste zurückgelegt werden. Plötzlich wurde die Fahrt gestoppt. Eine kleine Wanderdüne überquerte die Strasse, der Bus blieb im Sand stecken. Für alle war dies eine kleine Abwechslung, Füsse vertreten, Sand schaufeln und Bus stossen. Weiter ging die Fahrt Richtung Dâkla. Bei einem Streckenposten gab es eine Teepause. Für die Männer, die diesen Posten besetzen, war dies eine willkommene Abwechslung, denn nur etwa drei bis fünf Fahrzeuge passieren täglich diesen Posten. Wir erfahren, dass heute ein besonderer Tag sei, den heute käme der wöchentliche Zysternenwagen mit dem frischen Trinkwasser.


Tankstelle unterweg in einer Oase


Nach einer halben Stunde Autofahrt sah die Gruppe einen alten verlassenen Zysternenwagen am Wegrand stehen. Nach einer weiteren Viertelstunde Fahrt sah sie einen Mann am Strassenrand. Es stellte sich heraus, dass dies der Fahrer der Wasserzysterne war, der eine Fahrzeugpanne hatte und ihm nichts anderes übrigblieb, zu hoffen, dass heute noch ein Auto vorbeikäme. Zu Fuss versuchte er in der Hitze der Wüste Kharga, das ca. 50 km entfernt war, zu erreichen. Er war ziemlich entkräftet und sah es als Zeichen Allahs, dass ein Auto vorbeikam und ihn mitnahm. Ansonsten blieb die lange Fahrt ereignislos, müde kam die Gruppe am Abend in El Qasr in der Oase Dâkla an. Da es im Tourist-Resthouse sehr warm war, entschied sich der Reiseleiter kurzerhand, dass auf der Dachterrasse unter freiem Himmel übernachtet werden sollte. Im herrlichen Abendlicht wurde die malerische Altstadt von El Qasr besucht.


Altstadt von El Qasr in der Oase Dâkhla


El Qasr


Am Morgen stand der Besuch einer Primarschule auf dem Programm. Die Gruppe staunte ab der einfachen Unterrichtshilfsmittel und war begeistert von der Begegnung mit den vielen fröhlichen Kindern. Auf der Fahrt zur Oase Farafra besichtigt die Gruppe noch ein Agronomen-Dorf, in dem sie von einer Familie zum Tee eingeladen wurde. Sie erfuhren vom harten Leben der Agronomen, hier mitten in der Wüste das Land zu bewässern und eine Existenz aufzubauen. Vielen Agronomen war dieses Leben zu hart, sie kehrten zurück ins Niltal. Endlich wurde die Oase Farafra erreicht. Ein Spaziergang durch die kühlen Palmgärten lies bei den Reiseteilnehmern paradiesische Landschaftsbilder wach werden. Ein Besuch bei einer befreundeten Beduinenfamilie rundeten das Erlebnis vollkommen ab. Ein abendliches Bad in den warmen Wasserquellen lies die Strapazen der langen Busfahrt vergessen. Als Nachtquartier diente der Gruppe die Wüste, Beduinen, die in der Zwischenzeit zu uns gestossen sind, kochten auf dem Feuer ein herrliches Abendmahl und liessen die Reisenden beim Flöten- und Trommelspiel ins Träumen ausbrechen.

Nach einer herrlichen Nacht in freier Natur wurde das Gepäck auf Jeeps umgeladen. Nach einem herrlichen ägyptischen Frühstück bei der Familie eines Beduinen, wurde das interessante Museum des Künstlers Badr Abd El Moghni Aly besucht. Aus eigener Initiative baute Badr dieses Museum und verwirklichte seinen Traum. Bilder, eindrucksvolle Tonfiguren sowie grosse Skulpturen liessen auch jene faszinieren, denen Museen absolut nicht zusagten.



Nun begann das eigentliche Wüstenabenteuer. Mit zwei Jeeps fuhr die Gruppe in die Wüste hinein und verliess schon bald die Strasse. Quer durch die Sandwüste hindurch ging die Fahrt. Doch bereits nach einer Viertelstunde kam die erste Panne. Ein Kühler eines Jeeps leckte. Und gerade die Motorkühlung ist bei Wüstentouren recht heikel: hohe Aussentemperaturen und einen hochtourigen Fahrstil, um nicht im Sand stecken zu bleiben, erforderten eine gute Motorenkühlung. Doch die erfahrenen Beduinen liessen sich von diesem Umstand nicht beeindrucken. Alle Viertelstunden musste angehalten und Kühlwasser nachgefüllt werden.



Während einer Pause bestieg die Gruppe eine Sanddüne und lies den feinen Sand zwischen den Zehen spüren. Da der Sand sehr fein war, wurde die Besteigung zu einem kräfteraubenden Unternehmen. Nach einer weiteren Jeepfahrt erreichte die Gruppe die malerische Oase Bir Seru.



Eine Oase, wie man sie sich vorstellt: mitten in der Wüste ein paar Palmen sowie eine Quelle mit frischem Trinkwasser. Die Reisenden genossen die lange Siesta und den Schatten der aufgestellten Zeltdächer. Ein feines Mittagessen, gekocht von den Beduinen und das Paradies war für alle perfekt.

Da sich die Weiterfahrt mit den Jeeps als recht schwierig erwies – einige Male blieben die Jeeps im Sand stecken, dauernd mussten die Motoren mit frischem Wasser gekühlt werden – wurde das geplante Nachtquartier in der Weissen Wüste erst nach Einbruch der Dunkelheit erreicht. Die Weisse Wüste war, landschaftlich gesehen, der Höhepunkt der Reise. Hier finden sich als Wunder der Natur die berühmten weissen Kalksteinformationen, die die Landschaft fast unwirklich erscheinen lassen und an eine Mondlandschaft erinnern. Doch daraus sollte nichts werden. Nach einer kurzen Nacht bereiteten die Beduinen das Frühstück zu.



Die Stimmung war komisch, die Luft war bei Tagesanbruch leicht grau-weiss. Und plötzlich kam der Wind und mit ihm der Sandsturm. Der berüchtigte Chamsin, der Wüstenwind, der immer in den Frühlingsmonaten in Ägypten herrsch, überraschte die Gruppe. Und ausgerechnet hier hatte der Jeep noch einen Plattfuss. Sofort mussten die Reifen gewechselt und das Biwak zusammengeräumt werden, mussten die Abenteurer ihre Atemwege vor dem Sand schützen, die Autos beladen und fluchtartig die offene Wüste verlassen. Es war nichts mit dem Frühstücken und dem bewundern der Landschaft der Weissen Wüste und der anschliessenden Fahrt in die Kristallwüste. Die Gruppe kehrte auf die Hauptstrasse zurück und erreichte eine Stunde später die Oase Bahariya. Nun konnte das Frühstück nachgeholt werden. Nach einem erfrischenden Bad in einer Quelle stand der Besuch einer Kamelfarm auf dem Programm.



Über hundert Kamele waren zu bestaunen. Vor allem herzig waren die vielen Jungtiere, die bei der Herde waren. Am Abend bezog die Gruppe als Nachtquartier das romantische Palmhüttendorf. Am nächsten Morgen hiess es Abschied nehmen von der Wüste. Ein Bus brachte die Gruppe nach Kairo, wo neben einem Bauchtanz-Abend und dem Besuch des ägyptischen Museums selbstverständlich auch ein Kamelritt zu den Pyramiden nicht fehlen durfte.

Die meisten der Gruppe sagten, dass sie diese einmalige Abenteuer-Reise in die westliche Wüste Ägyptens noch einmal wiederholen möchten, damit sie auch die Naturwunder der Weissen Wüste ohne Sandsturm erleben können. Die Zahlreiche Begegnungen mit Ägyptern oder Beduinen waren unvergesslich.

© Willy Forster, Sindbad-Reisen, Urdorf



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